Mrz
26
2011

Frolumne #8: Aus der Katastrophe Kapital schlagen

Mal wieder eine Frolumne, das off topic ist. Der Titel sollte schon recht aussagekräftig sein, aber was ich meine, ist auf den ersten Blick gar nichts Schlechtes. Aber wenn man ein bisschen weiter denkt, wird die Absicht hinter der Aktion klar. Ich beschränke mich hier jetzt auch nur auf ein kleines Segment. Einerseits aus Faulheits- und Zeitgründen, andererseits wegen fehlender Fachkenntnis. Wenn man es genau nimmt, fehlt mir schon für die folgende, kleine Betrachtung schon einiges, vor allem Zahlen, die meine Thesen bestätigen, aber es geht auch ohne. Explizit behandle ich die äusserst aktuelle Situation mit den Geschehnissen in Japan und gewissen Auswüchsen daraus.

Wenn eine grosse Katastrophe auftritt, folgen ja immer auch zahlreiche Spendenaktionen. Neben den üblichen für das IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes), von dem es in fast jedem Land eine eigene Zweigstelle gibt, oder auch für andere grosse Hilfsorganisationen wie UNICEF. Solche Spenden sind ja auch sinnvoll und man sollte auch etwas spenden, wenn man es sich leisten kann. Aber was mich persönlich stört sind die ach so solidarischen und uneigennützigen Spendenaktionen am Rande. Ich beschäftige mich nicht damit, aber bekomme die ab und zu mit. Eine ist zum Beispiel jene von HLJ (Hobby Link Japan) (nein, ich verlinke nicht auf deren Seite!). Das ist ein recht grosser Onlineshop für japanisches Merchandising. Dort bekommt man vom T-Shirt, über das Dakimakura bis zur Figur fast alles. (Dass HLJ in der Regel am teuersten ist, allen voran bei den Figuren, will ich nicht erwähnt haben /人◕‿‿◕人\) Eben, HLJ hat vor Kurzem eine solche Spendenaktion ins Leben gerufen. Dabei erhöhen sie die Preise um 2%, diese 2% werden dann gespendet. Zusätzlich spendet HLJ zu jeder 2%-Spende noch mal die gleichen 2% aus der eigenen Tasche. Klingt ja an für sich gar nicht schlecht. Aber: Die werden da rein wirtschaftliche Gründe haben. Denn schlussendlich verliert HLJ pro Kauf lediglich 2%, nämlich jene, die sie selber aufwenden. Aber den vollen Preis für den Kauf bekommen sie trotzdem. Unter dem Strich also ein vergleichsweise kleiner Margenverlust von 2%. Ich kenne jetzt die Margen in dieser Branche nicht, aber die werden nicht gerade tief sein. Zweistellig sind sie aber auf jeden Fall.
Für HLJ wird sich die Aktion schlussendlich trotzdem auszahlen. Denn natürlich denken viele: Hey, kaufe ich doch bei HLJ ein und tue noch etwas Gutes. Ergo hat man gutes Karma erzeugt. So gesehen werden die Umsätze bei HLJ steigen. Sie werden aus denjenigen Verkäufen zwar einen leicht geringeren Gewinn haben als sonst, aber man beachte, dass davon einige mit Sicherheit zusätzliche Umsätze sind, welche unter Umständen nicht generiert worden wären! Alles also nur eine Farce. Der Präsident Scott T. Hards wird sich ins Fäustchen lachen. Warum ich so sicher bin, dass diese Masche funktioniert? Weil die Menschen schlicht und einfach dumm sind! Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es nicht klappt, umso besser. In diesem Falle macht es mir nichts aus, falsch zu liegen.

Es gibt dann noch eine andere Aktion in der gleichen Branche von GSC (englische Erklärungen bei mikatan), die ich jetzt aber weniger negativ beäuge. (Ja, ich geb zu, dass ich Anti-HLJ und Pro-GSC bin :o)
Aber die Aktion von GSC ist insofern weniger negativ, dass sie eher den Eindruck vermittelt, Spenden zu wollen, als eine Umsatzsteigerung anzupeilen. Das zeigt sich dadurch, dass dafür eigens schnell eine neue Nendoroid angefertigt wurde: Die Nendoroid Hatsune Miku Support Version. Diese ist wie alle anderen Nendos herzallerliebst und man kann sie nur gern haben~ Die fast identische Nendo gibt es zwar schon, aber bei der Support Version gibt es noch einige Extras. Das sind ein neues Gesicht (das breit lächelnde mit geschlossenen Augen), Pompoms, ein Fähnchen, und Sticker für das Fähnchen.

Der Preis für sie bleibt gleich: 3000 Yen. Das entspricht in etwa dem Durchschnittspreis für Nendoroids. Also von dieser Seite schon mal weniger negativ als bei HLJ. Und GSC spendet relativ auch einiges mehr. Denn ganze 1000 Yen von den 3000 Yen werden abgezapft und dem Japanischen Roten Kreuz überwiesen. Ein Drittel wird also gespendet! In Prozent ausgedrückt sind das 33,3%. Demnach weitaus mehr als die mikrigen 2% von HLJ. Und man bedenke, dass das eine eigens für die Spendenaktion erschaffene Nendo ist. Da waren die üblichen Planungen und Verhandlungen also trotzdem inbegriffen, wenn auch in kleinerem Ausmass, da der Grossteil der Nendo schon da war. Ich denke zwar schon, dass Crypton hier wegen den Lizenzkosten auch für einmal grosszügig war.
Noch mal zusammengefasst: GSC muss dafür die zusätzlichen Kosten für Design, Lizenzen, Produktion, Marketing und Ähnlichem aufwenden, der Preis bleibt unverändert, aber davon gehen 33,3% ans Rote Kreuz. Die wirtschaftlichen Ziele sind hier, wenn überhaupt relevant, drittrangig. Ein kleiner Gewinn wird, so nehme ich an, schon übrig bleiben mit den 2000 Yen, aber so viel kann das nicht mehr sein. Denn so eine Produktion einer Nendo ist sehr aufwändig und teuer. Auch wenn vieles im Tieflohnland China produziert wird. Die Nendo ist übrigens made-to-order. Es werden also exakt so viele produziert wie bestellt wurden. Ausländer können aber erst ab dem 8. April bestellen. Versand erfolgt dann Mitte Juli.

Also, wenn man schon Spenden will, dann doch gleich direkt an die Hilfsorganisationen. Oder mit GSC, meiner Meinung nach nichts Schlechtes. Zumal man diese Figur sonst nicht bekommt, also hat man noch etwas davon.
Ich hoffe, dass ich hiermit einige kritischer stimmen konnte. Wenn nicht, dann schade, oder ihr wart im Vornherein schon intelligent genug, die fiesen Machenschaften zu entlarven. (^Д^)

Autor: Fruechtechorb in: | Erstellungszeit: 5:44 Uhr | Kategorien: Frolumne | Tags: , |

4 Comments »

  • sushizu sagt:

    Ich hoffe mal, in „unseren Kreisen“ (ausser Nanos Mama :D) ist das einigermassen klar. Und da ich paranoid bin und eh keinem traue, habe ich auch direkt ans DRK gespendet, das geht ganz formidabel und bequem online (KK, PP, Lastschrift).

    Die Nendoroid-Aktion finde ich ebenfalls ganz passabel, aber ich kauf ja keine Figuerchen mehr. :)

  • Cyril sagt:

    >>Hey, kaufe ich doch bei HLJ ein und tue noch etwas Gutes. Ergo hat man gutes Karma erzeugt.< Moralisch ist wer moralisch tut (um noch mal einen anderen Autor zu quoten, den selbst Fruechti aus dem Deutschunterricht kennen könnte).

  • Cyril sagt:

    hm… die Klammern mag der Blog nicht, was? Da ging einfach der Hauptpunkt unter…

    „Hey, kaufe ich doch bei HLJ ein und tue noch etwas Gutes. Ergo hat man gutes Karma erzeugt.“

    Dafür wählen Deutsche doch einfach Grün. Ergo: Moralisch ist wer moralisch tut (um noch mal einen anderen Autor zu quoten, den selbst Fruechti aus dem Deutschunterricht kennen könnte).

  • Fruechtechorb sagt:

    ne, nix ging da unter, oder was auch immer. hat alles seine richtigkeit.

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